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Grüne Technologien und der sechste Kondratieff

14. June 2009, 18:08

Glaubt man der Theorie der Kondratieff-Zyklen, dann markiert die jetztige Krise das Ende des 5. Zyklus. Dieser war durch die Effizienz-Steigerung im Bereich der IT-Industrie gekennzeichnet. Ein Indikator dafür ist der Rückgang der IT-Ausgaben gemessen am Bruttoinlandsprodukt auf 4,2% im Jahr 2007. Andererseits gibt es einen Bereich, dessen Anteil am BIP ständig steigt und mit 8% fast doppelt so hoch ist: Grüne Technologien. Das behauptet zumindest eine Studie von Roland Berger im Auftrag des Umweltministeriums. So soll der Anteil bis 2020 auf 14% gesteigert werden. Zum Vergleich: 2008 betrug der Anteil der Autoindustrie am BIP 3% - eine Industrie aus dem 4. Kondratieff-Zyklus.

Nachdem die Kernindustrie eine Kondratieff-Zyklus viel schneller als andere Industrien wächst, trägt er mit einem viel höheren Anteil zum Wirtschaftswachstum bei als sein Anteil am BIP vorgibt. Dort werden in Zukunft neue Stellen geschaffen, nicht in den alten Industrien. Insofern ist eine Investition der Regierung in den Automobilbereich so sinnvoll wie die Subvention der Kohleförderung. Welchen Anteil Deutschland an der Weltwirtschaft hat, entscheidet sich nicht dort, sondern in den Umwelttechnologien.

Jappy - das deutsche “Plenty of Fish”?

23. January 2009, 15:29

Ich muss zugeben, dass ich heute zum ersten Mal etwas von Jappy gehört habe, obwohl es eine der größten Communities in Deutschland ist. Peinlich, aber ich vermute ich bin nicht der Einzige, denn ich habe bisher keine größere Story über die Webseite gelesen, die nach eigenen Aussagen 2,5 Mrd. PIs im Monat macht - fast soviel wie die Lokalisten und meinVZ zusammen. 2001 wurde Jappy von den Studenten Matthias Vogl und Christian Wimmer gegründet, die weiterhin die Firma besitzen und von Neutraubling bei Regensburg aus leiten. Laut ihrem Wiki haben sie kein Interesse am Verkauf der Seite mit ihren über 1 Mio. Mitgliedern. Die Vermarktung erfolgt allein über Google. Besonders in Berlin ist Jappy beliebt, laut Google Insights hängt die Plattform studiVZ, wer-kennt-wen etc. leicht ab was die Suche nach dem Namen angeht. Ein weiterer geographischer Schwerpunkt ist NRW. Im Alexa-Ranking liegt Jappy vor Focus Online auf Platz 47 der meistbesuchtesten deutschen Websites.

Aber wie konnte diese Community unbemerkt so stark wachsen? Ich denke ein Erfolgsfaktor ist der gleiche wie der von wer-kennt-wen: Web 2.0 für die Generatio Web 1.0 umzusetzen. Das erste Profil das ich finde ist von einem der als seine Lieblingslieder “Am Tag als Conny Kramer starb” und “Ruf Teddybär 1-4″ angbit und das sicher nicht ironisch meint. Hier sind nicht nicht die Early Adapter, sonder die unerfahrenen Gelegenheitsuser.

Das alles erinnert an die Story von Plenty of Fish, die Inc. Magazine letztens veröffentlicht hat. Angeblich macht der Gründer mit 1,6 Mrd. PIs über 4. Mio USD im Jahr nur über Google Werbung mit nur einer Stunde Arbeit am Tag.

Was man daraus lernt: Das Geld ist nicht unbedingt dort wo es amm Offensichtlichsten ist.

Update: Jappy behauptet im Dezember 08 3 Mrd. PIs gehabt zu haben.

13.12. Start von curatr.org

26. November 2008, 12:25

Save the date: Am 13.12. um 20 Uhr eröffne ich meine Ausstellung von Videokunst im lothringer13/laden, kuratiert im Outsourcing-Verfahren. Mehr Infos unter curatr.org.

Sa digitalanalog und andere Termine

13. October 2008, 08:51

In den nächsten drei Wochen werde ich drei mal vor Publikum auftreten, jeweils in unterschiedlichen Settings.

Den Anfang macht das digitalanalog Festival im Gasteig am Samstag, wo ich zusammen mit Frank A. Schneider im Carl-Orff-Saal lese und uns Albert Pöschl akustisch begleitet. Wir werden Texte und Hörbeispiele aus sub-bavaria aus den Anfängen von Punk und New Wave in Bayern dabei haben - da ist mehr passiert als man denken könnte. Das Festival wird bestimmt wieder gut - unsere sub-bavaria-Entdeckung Parabiont spielt dort, ebenso wie meine Lieblings-Newcommerin des Jahres Parasyte Woman, die wunderbaren Fruchtstäbchen, Anna McCarthy und ich bin gespannt auf King of Japan. Der Eintritt ist frei.

Am 25.10. bin ich wieder auf einem Festival, dieses mal aber als einer von 4 Moderatoren des Verstärker-Festivals in Erlangen. Dort spielen The Robocop Kraus, Shark Soup, Missouri, Smokestack Lightnin und viele Newcommer aus der Region 8 Stunden auf mehreren Bühnen. Warum ich gefragt wurde neben u.a. Enno Palucca (Die Goldenen Zitronen) zu moderieren und warum sich die Veranstalter nicht von meiner mangelnden Erfahrung abschrecken liessen, kann ich nicht so genau sagen. Auf jeden Fall freue ich mich schon viele neue Bands kennen zu lernen.

Der dritte Termin ist in einer etwas anderen Kategorie. Am 30.10. werde ich auf einer Tagung zu Commercial Communities in Berlin etwas über die kommerziellen Probleme von Online Communities erzählen. Ich freue mich besonders darauf, weil es die erste Community-Konferenz ist, die ich kenne, wo Wissenschaft und Praxis zusammenkommt und der Communitiy-Begriff in unterschiedlichen Ausprägungen beleuchtet wird.

Zeit Aktienfonds zu kaufen

12. October 2008, 22:40

Wenn man denkt es kann nicht mehr schlimmer werden, dann wird es schlimmer. Zu dieser Ansicht kann man nach den letzten Börsentagen gelangen. Also sollte man jetzt seine Aktien verkaufen weil wir in die größte Weltwirtschaftkrise seit der großen Depression verfallen? Ich denke nicht und ich bin damit nicht alleine. Vielleicht haben wir den Tiefpunkt der Aktienmärkte noch nicht erreicht, aber ich habe das Gefühl, dass man beim jetzigen Kauf von breitgestreuten Indexfonds (ETFs) langfristig mehr Wertzuwachs erzielen kann als mit Staatsanleihen. Und nachdem die Abgeltungssteuer nicht für Aktien-/fonds greift, die man noch dieses Jahr kauft, könnte demnächst ein guter Zeitpunkt zum Einstieg sein.

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Alpen, Provence, Piemont und Côte d’Azur mit dem Cabrio

21. September 2008, 23:25

Es wird wohl nicht leicht werden wieder in den Alltag zu kommen nach 16 Tagen Rundfahrt durch Südost-Frankreich und Nordwest-Italien. So wie im Bild oben fing ein typischer Tag in einem Bed & Breakfast im Landhausstil an. Danach ging es mit dem Cabrio (SLK dank unerwartetem Sixt-Upgrade) los entlang kleiner Landstrassen, meist durch die Berge und per Navigationssystem so getimed, dass wir um 12:30 pünktlich in einem ausgewählten Lokal zum Mittagsmenü erscheinen konnten um zu sehen was man aus den Zutaten aus der Region zu dieser Jahreszeit so zaubern kann. Dann weiter gefahren, etwas Obst, Käse und Wein eingekauft und abends noch eine Kleinigkeit gegessen und viel gelesen. So schön kann es in Europa sein.

Was so einfach klingt hat im Vorfeld viele Stunden an Recherche nach Routen, Unterkünften und Lokalen gekostet, die sich aber dann voll ausgezahlt haben. Ein Geheimtipp ist eben ein Geheimtipp weil er nicht im Reiseführer steht oder wenn er in einem Führer ist, dann versteckt unter vielen anderen Tipps. Und das ist gut so.

Fotos gibt es hier

Wie lokal sind die sozialen Netzwerke?

8. August 2008, 11:28

Durch Google Insights for Search ist es jetzt möglich die Suchhäufigkeit von Begriffen auf deutsche Bundesländer runterzubrechen. Wenn man das für die Namen von Social Networks aus Deutschland macht, dann fällt ein starker regionaler Unterschied auf. Während in Bayern öfters nach den Lokalisten als nach allen anderen Netzwerken gesucht wird (mehr als doppelt so oft wie nach studivz in den letzten 90 Tagen), sieht es in Rheinland-Pfalz ganz anders aus: Dort wird “wer kennt wen” mehr als 6 mal so häufig wie studivz eingegeben. In Sachsen dagegen liegt StudiVZ klar vorne, das gilt für den ganzen Osten.

Grob betrachtet könnte man folgende Aufteilung machen was das am häufigsten genutzte Soziale Netzwerk angeht:

  • StudiVZ: Berlin, Brandenburg, Hamburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, NRW, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Schleswig-Holstein
  • Lokalisten: Bayern
  • Wer kennt Wen: Saarland, Rheinland-Pfalz

In Hessen und Baden-Württemberg liefern sich Wer kennt Wen und studiVZ ein Kopf-an-Kopf rennen, wobei StudiVZ den Kürzeren zu ziehen scheint.

Letztlich zeigt diese Verteilung gut wie die Virale Verbreitung funktioniert, denn Kontakte sind meist lokal.

Disclaimer: Natürlich ist die Suche nach dem Namen eines Netzwerks nicht gleichzusetzen mit dessen Nutzung und nicht jeder, der den Namen eines Netzwerks sucht, verwendet dieses auch. Aber einer grober Vergleich zwischen Regionen scheint schon möglich.

Zensur?

31. July 2008, 17:40

Dorin Popa meint ich würde Zensur betreiben indem ich einen Artikel gegen Geld lösche und ich solle wenigstens die Einnahmen mit den Kommentatoren des Artikels teilen. Nun ist es aber ein Unterschied ob ich einzelne Kommentare wegen ihres Inhalts lösche oder einen Artikel mitsamt allen Kommentaren, egal ob sie positiv oder negativ waren. Gegen das Löschen einzelner, juristisch nicht zu beanstandender, Kommentare hätte ich mich auf jeden Fall gewehrt, weil dann ein verzerrtes positives Bild über das Unternehmen dargestellt worden wäre. Dann lieber kein Artikel und keine Kommentare. Ich denke ich hätte den Artikel auch gelöscht wenn der Geschäftsmann juristisch versucht hätte gegen die negativen Kommentare vorzugehen.

Was das Thema Geld teilen angeht: Die Zahlung war ein Ausgleich für entgangene Werbeeinnahmen, die ich auch nicht mit den Kommentatoren geteilt hätte - so wie das alle kommerziellen Blogs und Medien machen, die ich kenne…

Geld fürs Löschen - das deutsche Geschäftsmodell?

31. July 2008, 09:47

Letzte Woche rief mich ein Mann an, der meinte wir müssten mal über einen Artikel reden, den ich über seinen Betrieb geschrieben habe. Genauer gesagt störte ihn nicht der positive Artikel, den ich vor einigen Jahren auf einer meiner Webseiten veröffentlicht hatte, sondern die vielen negativen Kommentare seiner Kunden. Ich antwortete erst, dass es da nichts zu besprechen gebe, schliesslich seien die Kommentare - soweit ich sie gelesen hatte - negativ aber nicht verleumdend und ich würde auch gerne jeden Kommentar entfernen, den ich übersehen hatte. Aber eine Mischung aus Drohung mit einem Anwalt und Aussicht auf eine Ausgleichszahlung überredeten mich zu einem Treffen am nächsten Tag.

Sollte ich wirklich Geld dafür nehmen einen Artikel zu löschen? Ich musste etwas überlegen, aber dann doch nicht sehr lange. Dabei ging es nicht nur um die Aussicht auf schnelles Geld für ein Hobby-Projekt, das bisher nur wenige Euro abgeworfen hatte. Auf der anderen Seite hätte ich mit kostenpflichtigen Abmahnungen und Schadensersatzforderungen rechnen müssen. Und für ein Hobbyprojekt noch Geld an Anwaltsgebühren ausgeben, dazu hatte ich dann wirklich keine Lust. Vor allem, da mein Artikel sowieso positiv war und ich nur für das Recht der Kunden aufs Mekern gekämpft hätte.

Also rechnete ich mir einen theoretischen Verlust an Werbeeinnahmen aus und ging mit einer kleinen vierstelligen Summe in die Verhandlung. Nach einer Stunde voller Drohungen und Beteuerungen, dass ohne Anwalt für beide Seite alles besser wird, ging ich dann mit einer Zusage von 800 Euro heim, die auch gestern auf meinem Konto eintrafen.

Vielleicht ist das ja das ideale Geschäftsmodell für die deutsche Mekker-Nation. Statt für positive Berichterstattung zu bezahlen und sein Geschäft in Ordnung zu bringen, zahlt der Unternehmer für das Löschen von negativer Meinung. Ich denke negative Beiträge in Blogs gibt es dazu genug und auch die Servicequalität in deutschen Geschäften lässt so ein Modell auf breiter Fläche als möglich erscheinen. Vor dem Hintergrund der kostenpflichtigen Abmahnung ein attraktives Modell für viele Blogger.

Ich habe jedenfalls kein Problem damit, weiter Geld für das Löschen von Beiträgen zu nehmen.

US-Warnung vor EM-Spiel

24. June 2008, 16:54

Die amerikanische Botschaft scheint größere Unruhen zum EM-Spiel Deutschland-Türkei zu befürchten:

We remind American citizens in Germany that even mass gatherings and demonstrations intended to be peaceful can turn confrontational and possibly escalate into violence.  American citizens are therefore urged to avoid the areas of demonstrations if possible, and to exercise caution if within the vicinity of any demonstrations.  American citizens should stay current with media coverage of local events and be aware of their surroundings at all times.

Americans in Germany are encouraged to register with the U.S. Embassy in Berlin, or at either the Munich or Frankfurt Consulate, through the State Department’s travel registration web site, https://travelregistration.state.gov/ibrs/ui/, and to obtain updated information on travel and security within Germany. Americans without Internet access may register directly with the nearest U.S. Embassy or Consular Section. By registering, American citizens make it easier for the Embassy or Consulate to contact them in case of emergency.

Ähm, kann es sein, dass hier jemand etwas übertreibt? Mit dem gleichen Wortlaut wurde im Januar schon gewarnt - aber in Kenia…