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“Mein Freund der Mörder” - im Kino mit Al Capone aus der Pfalz

22. July 2006, 11:34

Am Ende des Films standen sie beide vor der Leinwand und wären sie nicht den ganzen Film über zu sehen gewesen, man hätte nicht sagen können welche der Pfälzer um die 70 der Regisseur ist und welcher der Mörder. Peter Fleischmann hat Anfang der 70er eine Dokumentation über Bernhard Kimmel gedreht, der als “Al Capone der Pfalz” galt. 10 Jahre hatte der damals 35jährige damals im Gefängnis gesessen für 187 Einbrüche und Überfälle seiner Bande, die ihnen den Zorn der Staatsgewalt aber die Sympathie der Bevölkerung eingebracht hatten. Sie waren die Outlaws des Pfälzer Waldes, die nur von den Reichen nahmen und trotz ihrer nächtlichen Touren immer pünktlich am Morgen in der Arbeit waren. Doch dann wurde eine Unschuldiger getötet und die Bande gefasst.
Nach der Dokumentation wurden Kimmel und Fleischmann Freunde, der Bandit spielte in Filme und beriet bei Überfall-Szenen. 1981 wurde die Fiktion von der Realität eingeholt, als Kimmel bei einem Bankeinruch von Polizisten überascht wurde. Im Gefecht starb ein Beamter, der Andere sitzt mit Querschnittslähmung im Rollstuhl. Wegen Mord wurde Kimmel zu lebenslanger Haft verurteilt, seit 2003 ist er auf Bewährung frei.
Der Film “Mein Freund der Mörder” zeigt den 35jährigen und den 70jährigen Kimmel, wie er über Taten, Motive und das Leben im Gefängnis spricht. Nur mit den RAF-Leuten habe ich gut reden können, alle anderen Gefangenen seien nur an Frauen und Fußball interessiert gewesen. Er hat Skulpturen getöpfert, Shakespeare, Rilke und Heine gelesen und sich immer wieder gefragt wie es passieren konnte, dass ein Mensch durch seine Kugel starb. Dabei wäre er ein so guter Schütze gewesen und hätte ihm nur über den Kopf schiessen wollen.
Obwohl Fleischmann und Kimmel befreundet sind, nimmt der Regisseur den Täter in einer langen Szene in die Mangel und lässt keine Ausreden über Zufälle Gegenwehr zu. Dabei wird klar wie oft Kimmel diese wenigen Minuten, die sein Leben veränderten, wieder von Neuem durchlebte und versuchte sich klar zu machen was an jenem Abend passierte. Er fühlt sich verantwortlich für den Tod eines Menschen, aber als Möder zu gelten trifft ihn sehr hart.
Gestern hat Kimmel den Film zum ersten Mal gesehen und er findet sich richtig portraitiert, auch wenn ihn der Titel “Mein Freund der Mörder” stört. Es ist ein Film geworden, der den Menschen Kimmel sympathisch darstellt, ihn aber nicht glorifiziert. Es ist ein Portrait über einen Mann, der zu recht 30 Jahre im Gefängnis sass, aber weiter für seine Tat büsst. Damit bringt Fleischmann die großen Taten auf eine menschliche Ebene und allein schon deswegen ist der Film sehenswert.

Kommentare

Kommentar von christoph bassler
Time: 29. July 2006, 08:24

leider konne ich den beitrag nicht sehen, weil ich just an selbigem tag gebutstag hatte. trotzdem hatte ich während meier haftzeit in schwalmstadt die Gelegenheit, Herrn Kimmel kennen zu lernen… Ein Meister der Dramatik und Selbstdarstellung, ich würde ihn gerne einmal wieder treffen und ein Glas Wein mit ihm trinken, eigentlich wäre er mir das schuldig…

Kommentar von Dieter
Time: 4. July 2008, 23:31

Wo kann ich den Film aud DVD oder VHS bekommen?

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